Risikofallen

Die Studien zu den Risiko-Fallen beziehen sich auf ein wichtiges Thema der gesundheitlichen Verbraucherinformation. Es geht um Risikokommunikation, die zu verzerrten Risikowahrnehmungen führt. In  experimentellen Studien werden  drei verschiedene Risikofallen untersucht:  Framing-Falle, Selektivitäts-Falle und Generalisierungs-Falle.

Die Framing-Falle bezieht sich den Unterschied zwischen Hazard (Gefahrenstoff) und Risiko und operiert wie folgt: Die – in der Regel unstrittige – Gefährlichkeit einer chemischen Substanz für die menschliche Gesundheit wird betont. Weggelassen wird jedoch, dass die Exposition mit dem Gefahrenstoff so niedrig ist, dass kein gesundheitliches Risiko besteht. Psychologisch betrachtet geht es hier um einen Salience Effekt (Greifeneder & Schwarz, 2014): Die Aufmerksamkeit wird auf nur ein bedeutsames Merkmal gelenkt, das den Bewertungsprozess damit dominiert. Die für die Bestimmung des Risikos wichtigen Fragen nach der Potenz des Hazards, der Suszeptibilität und vor allem der Exposition mit dem Hazard wird somit ausgeklammert. Allein auf der Basis von Hazard-Informationen ist aber auch keine Bewertung möglich, ob ein Risiko vorliegt.

Die Selektivitäts-Falle operiert mit dem Weglassen von Befunden. Zum einen geht es um das Ignorieren von Studien, die der eigenen Überzeugung widersprechen (Cherry picking). Relevant ist hier der ‚Conformation Bias‘. Zum anderen geht es um das willkürliche Herausgreifen von einzelnen Befunden einer Studie, etwa eines Risikobefundes, der sich nur in einer bestimmten Expositions-Klasse zeigt.  In der wissenschaftlichen Literatur wird deshalb von ‚Outcome-Reporting Bias‘ gesprochen (Dwan et al., 2013). So kann der Eindruck entstehen, dass die Risikoaussage für jede Exposition gilt. 

Die Generalisierungsfalle bezieht auf einen Informationsmodus, der ohne kritische Reflexion und Prüfung, die Verallgemeinerbarkeit eines Risikobefundes unterstellt. Im Unterschied zur Selektivitätsfalle geht es dabei um Generalisierungen von Risikobefunden über verschiedene Endpunkte, Expositionsquellen, Expositionspfade und Populationen mit unterschiedlichen Suszeptibilitäten. So könnte z.B. aus den Gesundheitsgefahren von Aluminium-Expositionen durch Nahrungsaufnahme (orale Exposition) auf ebensolche Gefahren durch die dermale Aufnahme von Aluminium (Deos) geschlossen werden. Es wird ein Risiko-Stereotyp entwickelt, analog zu der Bildung von sozialen Stereotypen (Macrae et al., 1994), der jedwede differenzierte Betrachtung aufhebt.

In den Experimenten werden pro Falle jeweils 2 Beispiele untersucht. Das Projekt wird vom BfR gefördert. Laufzeit: 2021-2022.

 

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