Die Tücken der Risikokommunikation. Wie die IARC besser über das mögliche Krebs-Risiko durch Handynutzung informieren könnte

Das internationale Amt für Krebsforschung IARC, eine Organisation der Weltgesundheitsorganisation WHO, hat im Mai  2011 die Exposition mit elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks bei Handy-Nutzung als „möglicherweise krebserregend“ für Menschen eingestuft. Sie verweist dabei auf einen 40% Anstieg des Risikos für Gliomen, d.h. für eine bestimmte Klasse von Hirntumoren.

In der Presseerklärung der IARC(1) finden sich dazu folgende Aussagen:

„The WHO/ International Agency for Research on Cancer (IARC) has classified radiofrequency electromagnetic fields as possibly carcinogenic to humans (Group 2B), based on an increased  risk for glioma, a malignant type of brain cancer, associated with wireless phone use.“

Und weiter:

„The Working Group did not quantitate the  risk; however, one study of past cell phone use (up to the year 2004), showed a 40%,increased risk for gliomas in the highest category of heavy users(reported average: 30 minutes per day over a 10 year period).“

Ist das gute Risikokommunikation? Wohl eher nicht, denn drei Sachverhalte bleiben unklar. Zum einen wird nicht gesagt, was „möglicherweise krebserregend“ bedeutet. Ohne eine Orientierungshilfe, z.B., indem angegeben wird, was denn noch als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft wurde, können sich Nicht-Experten schwerlich ein angemessenes Bild von der Risikolage machen.

Zum anderen bleibt offen, wie die 40% zu verstehen sind. Die Frage ist: 40% von was? Um Prozentzahlen richtig verstehen zu können, müsste eben auch angeben werden, wie häufig eine solche Tumorerkrankung auftritt. Erst dann lässt sich die Prozentangabe einordnen.

Schließlich wäre mitzuteilen, was wir über Risikofaktoren für Gliomen wissen. Es ist ja durchaus wichtig zu wissen, ob andere Faktoren eine größere Rolle bei der Entstehung von Gliomen bilden.

Was wäre also zu tun? Der IARC  ist zu empfehlen, folgende  Informationen zu ergänzen:

Die Klasse 2b – möglicherweise  krebserregend  für den Menschen“ – trifft auch für Kaffee-Säure zu, die in Kaffee-Getränken enthalten ist. Darüber hinaus wäre es hilfreich, wenn man weiß, dass alkoholische Getränke als „krebserregend“ eingestuft sind.

Zudem ist klarzustellen, auf welche Art von Krebs sich die Einstufung bezieht, und ganz wichtig, wie häufig diese Krebserkrankung in der Bevölkerung ist. Dazu ist Folgendes zu sagen: In Deutschland gibt es jährlich etwa 5-6 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner (2) an bösartigen Gliomen. Eine 40% Erhöhung würde so etwa 2 zusätzliche Fälle pro 100 000 Personen ausmachen.

Schließlich ist das Verhältnis zu anderen Risikofaktoren darzustellen. Risikofaktoren, die eine wesentliche Rolle für die Entstehung von Gliomen spielen sind hohes Alter, Vererbung (genetische Veranlagung) und hohe Belastung mit ionisierender Strahlung (Strahlung von radioaktiven Materialien). Für diese drei Risikofaktoren liegt eine Erhöhung des Erkrankungsrisikos von mehr als 200% vor(3).


Literatur

(1) IARC classifies Radiofrequency Electromagnetic Fields as possibly carcinogenic to humans. Press release 31/05/2011: http://www.iarc.fr/en/media-centre/pr/2011/pdfs/pr208_E.pdf

(2) Nach  Informationen der Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), siehe http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-099.html

(3) Bondy ML, Scheurer ME, Malmer B, Barnholtz-Sloan JS, Davis FG, Il’yasova D et al. Brain tumor epidemiology: consensus from the Brain Tumor Epidemiology Consortium. Cancer Supplement 2008; 113(7): 1953-1968.

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