Wissenschaft im Konfliktfall: Lassen sich Integrität und Qualität auch im Getümmel sichern?

Kontroversen sind, so heißt es zuweilen, Triebfedern der Wissenschaft. Ob diese Auffassung der Realität entspricht ist fraglich; Konsens ist immer noch erträglicher als Konflikt, auch in der Wissenschaft.

Dennoch gibt es ihn, den wissenschaftlichen Konfliktfall –  zuweilen   verborgen vor der Öffentlichkeit, manchmal auf den medialen Bühnen meisterhaft  inszeniert. Es gab und gibt Debatten über die Kernenergie, über die PID, über die Risikopotenziale des Mobilfunks und über Stammzellen.

Nicht immer gewinnt der zwanglose Zwang des besseren Arguments in solchen wissenschaftlichen Debatten. Wegen unserer Neigung zum Katastrophismus geraten klares Denken und gute Diskurse (Scholze 2011) unter die Räder. Die vermeintlich Gerechten und Aufrechten bilden dann eine Front gegen die Vertreter der krummen Sache. Das kann schief gehen. So hat auch das ICPP, die höchste wissenschaftliche Instanz in Sachen Klimawandel, lernen müssen, weniger holzschnittartig zu argumentieren.

Dispute finden jedoch oftmals kein Ende: Das Experimentum crucis, der schlagende Beweis bleibt aus. Und es gibt durchaus Starrsinn unter den Wissenschaftlern, die selbst erdrückende Beweise nicht akzeptieren.

Zugegeben: Nicht immer aber muss die herrschende wissenschaftliche Meinung Recht haben, wie u.a. die Debatte um das Waldsterben gezeigt hat. Noch fataler ist jedoch, wenn der Außenseiter- und Märtyrer-Status selber inszeniert wird, um  als Wissenschaftler mediale Aufmerksamkeit und politischen Zuspruch zu erringen.

Der Blick auf den wissenschaftlichen Konflikt und die dazugehörigen Kampfformen öffnet ein weites Feld. Es geht um Methoden, um Wahrheit und Wahrhaftigkeit, um Modelle und Wirklichkeit. Es geht auch um Diskurse, um Kommissionen sowie um Macht und Einfluss.

Diese hier nur knapp skizzierten und ganz vorläufigen Beobachtungen werfen somit eine Reihe vor Fragen auf. Es sich lohnt, ihnen einmal genauer nachzugehen.

Die ETH Zürich hat mit vor Jahren einer gelungenen Inszenierung zu  „Wissenschaft kontrovers“ vorgemacht, dass sich hierzu auch eine öffentliche Debatte lohnt.


Literatur:

G. Schulze (2011)  Krisen. Das Alarmdilemma.  Frankfurt a.M. : S. Fischer.

J.Fehr, M. Michel, B. Orland (Hrsg.)  (2005) Wissenschaft Kontrovers. Dokument einer Selbstbefragung über Geld, Kultur und Qualität. Zürich: Chronos Verlag.

SSK (2009) Bewertung der epidemiologischen Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK-Studie).

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